Samstag, 21. Dezember 2013

praxis äe wünscht: besinnliche Weihnacht & feinen Rutsch ins Neue 2014!


Froh-besinnliche Weihnachten 2013 & 
ein heiter-aufregendes Jahr 2014 
wünscht von Herzen 

Ihre & Eure Gunilla Göttlicher | praxis für ästhetische erfahrung - Lebenskunst jetzt!



Komischer Vogel im Weihnachtsrausch der ersten Rauhnacht 
aus der Serie "Komische Vögel" (Objekte aus Stofffetzchen, imperfekt aber vollkommen) 
von Gunilla Göttlicher, 2013.



Fotos: GG & AM, Danke:)

Samstag, 23. November 2013

Event & Performance | Radioonkologietag


Im Auditorium eines Klinikums | Land Brandenburg 

 
KUNST training | coaching | therapie SPIEL 


*Programmpunkt 
art-Performance | "Schau mit beiden Augen, schau..." - Kunstwelten

Mitwirkende: 
GS (Psychologin/ Psychoonkologin) &  
GG (Kunsttherapeutin/ Klangkünstlerin
Klangteppich: Leo Auri (Musiker, Komponist, Sounddesigner) 
 http://leoauri.com/
Fotos: von unserer kleinen Assistentin CB. 
Gedicht: Hilde Domin, Nur eine Rose als Stütze
http://www.deutschelyrik.de/index.php/nur-eine-rose-als-stuetze.html

gemeinsam gefundener Titel: 
Hunger auf Farbe im Leben - man muss sich was einfallen lassen !!!

 summary 

Unsere Ausgangsfrage war diesmal wieder - Wie kann eine künstlerisch(-therapeutische) Einlage aussehen, in der man den TeilnehmerInnen (TN) eines medizinischen Symposiums - am Ende der Veranstaltung - etwas mitgeben möchte, das für sie selbst schön, berührend und inspirierend sein kann? 

Unsere Antwort darauf war erneut: Mittels Aktivierung der Sinne durch live-painting, verführerischem, und für diese Veranstaltung neu komponierten Klangteppich, und der Rezitation eines diesmal rötlich-zarten Gedichtes – ebenso eines aktivierenden Momentes für die TeilnehmerInnen, ihre Gedanken/ Wahrnehmungen/ Assoziationen während des künstlerischen Prozesses auf Papier festzuhalten - um am Ende & miteinander einen Titel für das entstandene Bild zu finden (Partizipation). 

Geäußerte Gedanken und Assoziationen zur Titelfindung der TeilnehmerInnen: 

Besonders berührt war ich (GG) von einer Teilnehmerin, die all ihren Mut zusammen nahm, um ihre Gedanken und damit persönliche Geschichte zu erzählen...sie ist selbst schwer erkrankt, berichtete sie uns später. Sie stellt sich seither viele Fragen...

+ Probiere was Neues aus
+ Manchmal bricht der Ast, auf dem Du sitzt und Du fällst 
+ was ist JETZT dran?
+ Warum geschehen die Dinge...?
+ Doch es ist gut
+ Es ist eine andere Tür und ich gehe hindurch
+ Verletzlichkeit durch das Federkleid
+ Vergänglichkeit
+ Wie sieht die Zukunft aus?
+ Die Rose piekst
+ Man muss sich halt was einfallen lassen 
+ Hunger!!! (auf Leben/ Farbe im Leben:)
+ Das Leben ist Veränderung
+ Das Farbenspiel 
+ so wie das Leben so spielt
+ Komme aus Deinem Käfig raus
+ Eis-Blume - Fleur de la glace 

Der Titel des Bildes lautete also: 
Hunger auf Farbe im Leben - Man muss sich was einfallen lassen !!! 
 
wie wahr, wie köstlich! 
 

Mein Resümee: Eine für mich und uns rundherum gelungene Veranstaltung (ich spreche v.a. von der art-Perf.), mutigen & motivierten TeilnehmerInnen, einem tollen Titel und der 
LUST & INSPIRATION, noch mehr Menschen damit erreichen & berühren zu können...
DANKE an Chefarzt SK sich so mutig & offen auf unsere art-Performance einzulassen, 
das so freundliche und hilfsbereite Veranstaltungsteam, den begeisterungsfähigen Moderatoren GZ und unsere Fotografin CB!

Herzlich Ihre 
GG, GS & Leo Auri

+

Impressionen der Veranstaltung
























 Fotos: CB

Mittwoch, 26. Juni 2013

Serie - vom leben & vom sterben | Gedanken zu Menschen I.

KUNST training | coaching | therapie SPIEL 



Serie - vom leben & vom sterben | Gedanken zu Menschen I. 
 
Be a lamp, or a lifeboat or a ladder. Help someone's soul heal.

Rumi



Ich möchte hier von Menschen schreiben – Menschen, die mich berührt haben. Einfach weil sie klasse sind, irgendwie wunderbar, manchmal etwas überirdisch. Ich denke über die Begegnung mit Ihnen nach, und sie wird bleiben, ich werde sie nicht mehr vergessen.

Ich arbeite als Kunsttherapeutin im Rahmen von Palliative Care in Kliniken. Meine PatientInnen, mit ihren Angehörigen, sind Menschen mit einem schicksalhaften Leben – sie lassen mich für einen kürzeren oder auch längeren Moment teilhaben – manchmal darf ich mehr als eine Therapeutin sein – eine Zeugin, gar eine Freundin. Manchmal komme ich nachhause und bin so unendlich berührt von diesen Menschen...es sind weniger die traurigen Momente und Seiten – wie Sterben und der oftmals kurz bevorstehende Tod – als vielmehr die großen, weil so lebendigen Momente des menschlichen Daseins. An ihnen habe ich immer lange zu „knabbern“, von ihnen möchte ich hier berichten. 




Brüderchen & Schwesterchen 



Heute begegnete ich einer Schwester, wie ich sie mir immer gewünscht habe, und nie hatte... sie ist die Schwester von einem etwas jüngeren Bruder, der bei uns auf der Palliativstation liegt. Ich wurde schon im Vorfeld behutsam von der leitenden Krankenschwester unserer Station auf die Begegnung mit diesem besonderen jungen Mann vorbereitet, durch Bilder von seinem Gesicht – wie er einst aussah und was mich heute in seinem Zimmer erwartet. Ich muss gestehen, ich war geschockt, als ich die Bilder sah. Zuerst ein junger Mann mit leicht verschobener Gesichtshälfte – harmlos, dachte ich, habe ich schon gesehen. Doch dann das zweite Bild – ich sah etwas, was mal wie ein Mensch aussah, noch einen Mund, ein Auge und eine Nase andeutete...und dann war da etwas, was ich noch nie gesehen hatte, es hatte sich von innen nach außen gekehrt, war seltsam unmenschlich, eher alienartig...Bilder aus Sciencefiction- oder auch Psychohorrorfilmen kamen mir in den Sinn...wer David Lynchs „Der Elefantenmensch“, „Star Wars“ -Wesen von anderen Sternen oder auch die Orks aus „Herr der Ringe“ gesehen hat, bekommt nun eine Idee. 



Die leitende Oberschwester bereitete türöffnend die Schwester auf mich und meine kunsttherapeutische Arbeit vor, und wenig später bekam ich zu hören, dass jene besonders die Arbeit mit der Seele begrüßen würde. Ein schöner Einstieg – ich fühlte mich gleich willkommen...



Ich hatte mich schon am Vormittag bei der Schwester vorgestellt – alles sehr liebevoll und irgendwie ruhig - gleichzeitig kamen die Großeltern, und ich sagte, ich würde wiederkommen, wenn die Zeit passend wäre.



Ein paar Momente später ging dann die Tür auf und ich konnte eintreten. Mir kam eine besondere Wärme entgegen, eine innere Wärme und eine Offenheit, ein inneres Stille-Sein. Ich sah den Bruder, sah ihn atmen, sah seinen völlig normal aussehenden Körper, seine porzellanartig, fast weißen und wunderschön grazilen Hände mit einem Titanring am Finger. Überhaupt schien mir der Körper sehr fein gegliedert. Ein ästhetisch schöner Anblick. Er war mal sehr schön, ihr Bruder, sagt sie.



Die Schwester erzählte mir, dass sie diesen besonderen Bruder schon immer liebte. Er kam zu früh, ohne genügend Fruchtwassernahrung und blau auf die Welt. Die Eltern zeigten – um die Schwester zu schützen – ein anderes Baby. Doch die Schwester sagte nur, sie wolle ihren Bruder sehen, egal wie er aussehe. Da begann die Liebe. Sie hält bis heute an und sie ist besonders. Der Film "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" von Lasse Hallström, kam mir in den Sinn - ich benannte meinen Gedanken, und natürlich kannte die Schwester diesen berührenden Film. 





Mir kamen Tränen. Er musste zweimal in der gemeinsamen Zeit urinieren; sie war dann mit der „Ente“ da, sagte, warte, halte noch aus – jetzt darfst Du loslassen und er ließ los. In ihrer Gegenwart ist er ganz ruhig. Er bekam durch eine große Spritze zu trinken – in die mundähnliche Öffnung – zuerst Tee, dann, als Belohnung, noch etwas geschmackvolles Lemonadiges, was er mag. Aber nicht Fanta, das würgt er wieder aus. Dann saugt sie liebevoll und aufmerksam die Mundöffnung nach überschüssigen Nahrungsresten ab – lässt ihn wiederholt schlucken, bis alles abgesaugt ist und es ihm wieder gut geht. Er äußert sich durch einzelne Worte und Gesten. Manchmal kommen ihm mehrere Worte, aber man muss schon viel Geduld haben, um zu verstehen, was er erzähle.



Seine Haare sind nach der einen Chemo ganz weiß geworden, berichtet sie. Als Andenken, habe sie welche aufgehoben. Wie Engelshaare sehen sie aus. Er war immer ihre „Ressourcentankstelle“ gewesen und jetzt wolle sie dies ihm zurückgeben. In der Pubertät wär' er wild gewesen, erzählt sie, hat ihm, weil er dachte, Flaschen (Filmrequisite aus Zucker) zerspringen wie im Film auf Köpfen, eine normale Glasflasche über den Kopf gehauen, die nicht zersprang. Zwei Tage Kopfschmerzen, zum Glück keine Gehirnerschütterung. Es ist ihm ein bisschen peinlich, er will nicht gerne, dass sie es erzählt – doch es gehört zu ihrer beider Leben mit dazu.



Sie denkt, er bleibt der Mutter zuliebe, weil sie ihn nicht gehen lassen kann. Bei diesem Satz bekommt sie feuchte Augen. Die Schwester hat sich schon vor längerer Zeit verabschiedet und kann ihn gehen lassen. Sie sagt, sie an seiner Stelle, hätte sich schon lange von dieser Welt verabschiedet, hätte nicht so lange durchgehalten wie er. Aber er ist ein Kämpfer, ist er immer gewesen. Er möchte schließlich noch Anfang August seine Verlobung feiern – ein Datum, das er sich selbst gesetzt hat.



Mir kommen Worte wie „Seelenverwandtschaft“ und „engelsgleich“ in den Sinn und ich spreche sie aus. Ich erinnere sie daran, auch und mehr denn je für sich selbst da zu sein, und das eigene innere und auch bedürftige Kind zu nähren – sie weiß das, nimmt es aber auch gerne an, lässt sich daran erinnern. Vielleicht wird sie eines Tages ihre Geschichte mit ihrem Bruder aufschreiben, um Andere daran teilhaben zu lassen. Heute geht das nicht, aber wer weiß... ich höre die meiste Zeit einfach zu, bin da.



Wir „verabreden“ uns für ein nächstes Mal und gehen unserer Wege. Sie lächelt mich an und ich merke, es kommt von Herzen. Sie ist da – sie liebt ihn, bis zum Schluss. Das ist sie ihm schuldig, das Äußere spielt keine Rolle, das innere Schöne, das sie kennt, zählt. Das Lachen, die Streiche, die herrlichen Geschichten, die sie derart zum Lachen gebracht haben, dass sie sich beinahe in die Hose gemacht hätte...das bleibt, sie weiß das. Obwohl sie ihm auch wünschen würde, dass er bald gehen kann. Er weiß das, sie ist ehrlich mit ihm.



Sie liebt ihn. Das ist wahr. Und er liebt sie. Geschwisterliebe.

Ganz ehrlich, so etwas habe ich noch nie gesehen und gefühlt....



Danke für diesen Augenblick!



Gunilla Göttlicher 
 

Mittwoch, 19. Juni 2013

Event & Performance | Onkologisches Symposium


Im Auditorium eines Klinikums | Land Brandenburg

KUNST training | coaching | therapie SPIEL 


*Programmpunkt
Kunst-therapeutische Performance | "Fang' da an, wo Du bist!" - Kunst-Welten!

siehe dazu auch: PatientInnentag des Brustzentrums 

Mit: GS (Psychologin/ Psychoonkologin) & GG (Kunsttherapeutin/ Klangkünstlerin)
& Bühnenassistentin- Partizipation/ Kameraführung AS (Körpertherapeutin/ Photographin)
Klangteppich: Leo Auri (Musiker, Komponist, Sounddesigner)  http://leoauri.com/
*Passend dazu - zum Nachhören & Herunterladen - mondblume-Album "Anspannung | Entspannung" http://mondblume.bandcamp.com/album/anspannung-entspannung

Auf der Höhe des Gelächters wird das Universum in ein Kaleidoskop
neuer Möglichkeiten geworfen.“
Jean Houston

Bild | "Irrungen & Wirrungen"
  1. summary
Ausgangsfrage war - Wie kann eine künstlerisch-therapeutische Einlage aussehen, in der man die TeilnehmerInnen (TN) eines medizinischen Symposiums - am Ende der Veranstaltung - noch einmal zum kreativen Mitgehen animieren will (während sie den Vormittag über sitzend den Vorträgen lauschten)?

Unsere Antwort: Mittels Sinnesaktivierung durch live-painting, verführerischem Klangteppich und der Rezitation eines blau-schwebenden Gedichtes – ebenso eines teilhabenden Momentes für die TeilnehmerInnen, ihre Gedanken/ Wahrnehmungen während des künstlerischen Prozesses auf Papier festzuhalten - um am Ende miteinander einen Titel für das entstandene Bild zu finden (Partizipation). 

  1. Zutaten
Hierbei waren und sind die besonderen Zutaten ganz wesentlich:
Man nehme...

Ensemble
  • eine motivierte Kollegin (GS), die sich hat anstiften lassen, bei künstlerischen Experimenten im beruflichen Rahmen aktiv mitzuwirken
  • Inspirierte Auftraggeber, die ihrem Klientel mal etwas „Frischen Wind“ bieten wollen
  • Mutige TeilnehmerInnen, die sich ebenso anstiften lassen, ihre Sinne zu aktivieren

    Bühne
  • eine möglichst viele Sinne ansprechende Idee mit Bühnencharakter - jedoch eher im Sinne einer freieren und spontan entstehenden art – Performance 
     
    Wahrnehmung der fünf Sinne + Aktiv-Moment
    visuell/ sehen: live-painting (GS), Bühnensetting, lebhaft-aktivierende Moderation
    auditiv/ hören: eigens gewebter Klangteppich (LA) & Gedicht-Rezitation (GG), Mal-Geräusche
    kinestätisch/ fühlen-spüren: die sinnliche Atmosphäre, die Mitschrift, das Mitwirken
    gustatorisch/ schmecken: Geschmacksassoziationen, die durch das Setting durch die Erinnerungen angeregt werden
    olfaktorisch/ riechen: der besondere Geruch, der beim live-painting (Acryl-Farben/ Sprühfarbe etc.) entsteht, inneres Riechen (aufgrund von z.B. Erinnerung an Urlaub, Kindheit...)
    partizipativ/ aktiv werden & teilhabend: Anregung der TN, ihre Gedanken wahrzunehmen und aufzuschreiben
 
  1. Der besondere Prozess
Exposition oder zur Vorgeschichte dieser art-Performance
Ein engagierter Oberarzt sucht für die Eröffnungsveranstaltung des Neubaus der vergrößerten Hämatologie/ Onkologie & Palliativstation ein geeignetes Bühnenprogramm. Offenheit und Mut werden gezeigt – man läßt sich gerne auch auf Neues und Ungewöhnliches ein. Eine gute Ausgangslage. Die Vorarbeit mit dem engagierten Kollegenteam im Klinikum geschieht reibungslos.

Inszenierung/ Requisit & Dokumentation 
Schnell muss alles auf der Bühne aufgebaut werden. Dann huschen wir (meine Kollegin & ich) auf die Bühne, nachdem wir vorher vor dem Publikum angekündigt wurden. Motivierte AssistentInnen lassen ein Blitzlichtgewitter von Kameras aufleuchten, eine Videokamera hält die Szenerie fest – los geht’s...

Prolog
GS leitete nun unsere art-Performance geschickt und charmant ein, und verwies auf unsere Vorgängerveranstaltung für die Patientinnen des Brustzentrums (siehe Link/ oben), mit dem Vermerk, bei uns gehe es nun darum, dass der Mensch/ Patient/ Mitarbeiter auch und gerade mal etwas für sich tun könne/ dürfe. Ich übernahm, und griff' GSs Wort Anstiften auf, um das teilnehmende Moment anzukündigen. Die TN sind herzlich gern aufgerufen, sich aktiv durch eigenes Assoziieren und Aufschreiben am künstlerischen Prozess zu beteiligen. Alles, was in den Sinn kommt, ist gut und sollte nicht zensiert werden. Worte für innere Prozesse kommen durch Übung immer leichter von den Lippen auf's Papier.  

Fürchte nicht das Chaos, denn im Chaos wird das Neue geboren.“
C.G. Jung 

 

Komödie oder/ und Drama ? - Für jede(n) wird es anders sein 
– das gilt es wahr-zu-nehmen, je nach persönlicher Vorerfahrung

Wir machten uns nun bereit – legten die Mikrophone weg, und fingen still und ritualisch an, unsere Kittel anzuziehen, Farben auf die Paletten aufzutragen und behutsam in unsere jeweiligen Positionen zu gehen. GS an der Leinwand, ich am Notenständer. Ich gab dem IT-Administrator ein Zeichen, dann startete der Aurische Klangteppich – langsam erfolgte der Titel des Gedichtes...GS reagierte auf die Klänge – erste Zeile und Pause – wieder Reaktion...(actio & reactio im Wechsel) sie wählte intuitiv Farben und Formen – so verlief es bis zum letzten Satz des GedichtesIch schwebe über lichte, ländergroße Blumenblätter.
Der Klang endete auf mein Zeichen hin abrupt (leider! Ich ging doch von mehr Feingefühl aus...), so dass wir alle schnell wieder „wach“ wurden – noch ein lieber Dank an GS und vice versa für Bild und Gedichtrezitation.

  1. Ergebnisse, Besonderheiten & Merkwürdiges
Deux ex machina oder auch Die Wendung zum Guten

Nun ging es daran, für das Bild einen geeigneten Titel zu finden. Ich versuchte, noch einmal die TN zu aktivieren – und tatsächlich kamen zahlreiche mutige Meldungen – das Mikrophon wurde herumgereicht, und unglaublich poetische Ideen und Assoziationen folgten. Spontan gewannen wir für die Titelfindung eine wunderbare Assistentin dazu: AS. Sie schrieb auf die kleine Tafel und repetierte vor Publikum, was sie vernahm.

Assoziationen und Gedanken der TN - Tafel-Mitschrift der Assistentin
mit demokratischer Abstimmung ...
  • Sag' mir, wo die Blumen sind? -Loslassen/ aber was hält mich?“ | 10x Stimmen
    Die TN erzählte, sie hätte viel geschrieben, doch die beiden Sätze in Folge bildeten ihre Quintessenz.
  • Klirrender Sternengarten“ | 9x Stimmen
  • Das Erwachen“ | 2x Stimmen
  • Wunderbares Ätherweben im sensiblen Chaos“ | 12x Stimmen
  • Irrungen & Wirrungen – das ist nichts für mich.“ | über 12x Stimmen – The Winner!
    Argument: Klang war so leise, meine Stimme kaum zu hören und das entstandene Bild schien viele Schleifen zu zeigen, die in diesem Moment für die TN nicht adäquat kodierbar waren.
Irrungen & Wirrungen“ bekam also die meisten Stimmen. 


Weitere Titel-Ideen - die mir im Nachhinein von TN zukommen ...
  • "Chravelle - Die Santa Maria von Columbus", "Die Blase"
  • "Fontäne im Sonnenuntergang" 
  • "frisches gefühlsrauschen"

Verkaufe deine Cleverness und kaufe Verwirrung
Jala Du-Din Rumi

Ich persönlich, so äußerte ich mich als Moderatorin, hätte Anderes (“Ätherweben“, auch „Erwachen“ oder "Klirrender Sternengarten" etc.) gewählt. Die TN äußerte dies (so vernahmen wir im Nachgespräch), dass sie den Klangteppich nicht laut genug hören konnte, ebenso dann das Spiel der Farben und Formen als beunruhigend erfuhr. Auf dieser Schiene gingen alle diejenigen gruppendynamisch mit, die ihre persönlichen Herausforderungen mit der Situation und dem Setting hatten; sei es aus Gründen des langen Sitzens und/ oder auch, weil einem die dargebrachte Szenerie an Eigenes erinnerte - bzw. weil man ein paar Minuten auf sich und die eigene innere Welt geworfen schien. Das ganze Setting wirkt auf unvorbereitete Menschen eventuell irritierend, und sie möchten sich aus solch' einer Situation herauswinden - ebenso auch, weil sie verunsichert sind, was genau und schnell anzufangen ist, mit solchen Weite erzeugenden Poesie-Welten; mitunter kann ein solches Setting als persönliche Bedrohung der eigenen klaren Struktur/ Norm-Ablauf empfunden werden.

Kunst-Welten
Die besondere Poesie-Welt, die in diesem künstlerischen Setting entsteht, gleicht einem in blau getränkten Schwebezustand im Leben, in dem man nur Halt empfindet, wenn man um ihn weiß und mit ihm einen Umgang gelernt hat (vgl. Gedicht von Hilde Domin „Nur eine Rose als Stütze“). Das Arp-Gedicht scheint einen von der Erde wegzutragen, hin zu den fernen und hellen Sternen, umgeben von unzähligen sphärischen Klängen. Der Aurische Klangteppich bewegt sich zwischen hellen Stimmen, einem märchenhaften Glockenspiel und zarten Klaviertönen; wiederholt sich in Endlosschleife – ohne auf dem tragenden Boden anzukommen. 
Die Farben, die wir speziell für unser Bild ausgesucht haben, bewegen sich in verschiedenen Blautönen (Ultramarin, Arktis etc.), einem Neonrot und einem Hautton (Sprühdose), einem Cremeweiß und einem klaren Gold – abgestimmt auf das Gedicht Arps.

Dennoch gab uns das Publikum noch genügend Raum, um unser Setting zu einem guten Ende zu bringen. Mit dem Dank des Chefarztes wurde die Veranstaltung dann beendet.
Ganz zum Schluss übergab GS der TN, von der der Titel stammte, ein Abklatschbild auf kleinerer Leinwand von unserem Bild „Irrungen & Wirrungen - etc.“. 

 
Nachwirkungen und Merkwürdiges

Um ein kreatives Leben zu führen, müssen wir unsere Angst verlieren, unrecht zu haben.“
Joseph Chilton Pearce

Nach der Performance kam ein TN (Hausarzt aus der Umgebung, wie ich später erfuhr) auf mich (GG) zu und ich dachte, er würde mir seine Ideen zur Szenerie mitsamt Erfahrungswelt mitteilen. So war und bin ich es zumindest schon gewohnt – was er mir benannte war, dass er sich Gedanken um die Form meiner Füße machte, und mir dringend ans Herz legte, mir abrollende Gesundheitsschuhe anzuschaffen. Ich fragte gezügelt und leicht keck, ob ich daran sterben könne, und er verneinte verlegen lächelnd. Während des Gesprächs kam er mir auffallend physisch näher (so auch der Eindruck meiner umstehenden KollegInnen), wie einst ein älterer Patient auf meiner Palliativstation, mit dem ich über einen längeren Zeitraum - Händchen haltend - über seine Vergangenheit und unsere gemeinsame Gegenwart im Jetzt redete. Ein tendenziell rührender Moment – mit nur einem seltsamen Thema – meinem rechten Fuß! Nun, jeder hat wohl seinen eigenen Ansatz, mit sinnenanregender Performance umzugehen...

  1. TeilnehmerStimmen & Assoziationswelten

Lerne zu sehen, und du wirst erkennen,
dass die neuen Welten deiner Vision grenzenlos sind.
Carlos Castaneda

Im Nachhinein bekam ich folgende Assoziationen zum entstandenen Bild von GS via Sms zugeschickt - ihre Tochter meinte: 
*Auf dem Bild sehe ich eine Fontäne im Sonnenuntergang.“ 
 
Wenig später erhielt ich folgende Sms, mit Worten zum Bild ihres Lebensgefährten:
* 1. Chravelle – z.B. die Santa Maria von Kolumbus. Eine neue Welt entdecken ohne zu wissen, wie die Konsequenzen sind. Neue Wege gehen... 2. Die Blase – aus dem Chaos, dem Nichts, kommt immer etwas Neues. Ob es gut ist, weiß man nicht. Die Blase ist hell, d.h. Es könnte positiv sein. Vielleicht ist es auch nur eine Illusion.GS schreibt weiter:  "...das sind die Interpretationen von P heute. Er meint, wenn er es morgen betrachten würde, gäbe es andere Assoziationen."

* Gerade fand' ich folgenden anonymen Kommentar vor: "Das Erlebnis dieser kreativen performance war ein außergewöhnliches, bewegendes und erstaunliches zugleich. Ich stellte mir im Verlauf vor wie ich mich von meinen Lieblingselementen [Horizont Himmelszelt Sonne Strand und vor allem Meer] inspirieren lasse, wie wohl ich mich in Verbindung hiermit fühle, die Sinne ausgerichtet auf Geräusche und Farben, die diese Assoziationen hervorgerufen haben. Ich habe mir nun einen Titel für meine Assoziation überlegt: *frisches gefühlsrauschen*
DANKE, liebe GG"

... 

Im wiederholten Anblick steigert sich ein Kunstwerk.“
Walter Benjamin

Kunst wirkt! In unserem Fall mit Bild & Gedicht & Klang wirkt es gar freiheitsstiftend und Möglichkeiten eröffnend etc. Sie weiß einen jeden Tag auf's Neue zu verzaubern, zu verblüffen, auch zu irritieren, weil sich unser Blick jeden Tag ein bisschen anders gestaltet - durch unseren jeweiligen Erfahrungshintergrund. Wenn wir es schaffen, uns jeden Tag immer wieder neu auf etwas (sei es Kunst, Natur; Mensch etc.) einzulassen, überhaupt uns ganzheitlich unserer Welt und Umgebung hinzugeben (spürend/ sinnlich), erfahren wir immer wieder Neues und Unerwartetes. Mit der Kunst kann man das gut üben! Ein schier unendliches und phantastisches Übungsfeld für Weltsichten, Möglichkeiten und Perspektivenwechse! 

Ich & auch Wir danken ALLEN TN & Beteiligten für ihren Mut und ihre Freude, sich auf neue Projekte einzulassen! 

HerzGruß von Gunilla Göttlicher (GG)

 
  1. Gedicht „Die Locken der Erde zerfallen“ | von Hans Arp
    gefunden im Gedichtband | Blau, die himmlische Farbe: Texte und Bilder (Insel Bücherei) von Gisela Linder

    siehe auch mondblume-Album "Anspannung | Entspannung"
     http://mondblume.bandcamp.com/album/anspannung-entspannung



  1. Impressionen 




















    Setting von Bild "Irrungen & Wirrungen - das ist nichts für mich"

Thanks web for fish-pic, special thanks for pics go to AS & LA & GS!