Mittwoch, 19. Juni 2013

Event & Performance | Onkologisches Symposium


Im Auditorium eines Klinikums | Land Brandenburg

KUNST training | coaching | therapie SPIEL 


*Programmpunkt
Kunst-therapeutische Performance | "Fang' da an, wo Du bist!" - Kunst-Welten!

siehe dazu auch: PatientInnentag des Brustzentrums 

Mit: GS (Psychologin/ Psychoonkologin) & GG (Kunsttherapeutin/ Klangkünstlerin)
& Bühnenassistentin- Partizipation/ Kameraführung AS (Körpertherapeutin/ Photographin)
Klangteppich: Leo Auri (Musiker, Komponist, Sounddesigner)  http://leoauri.com/
*Passend dazu - zum Nachhören & Herunterladen - mondblume-Album "Anspannung | Entspannung" http://mondblume.bandcamp.com/album/anspannung-entspannung

Auf der Höhe des Gelächters wird das Universum in ein Kaleidoskop
neuer Möglichkeiten geworfen.“
Jean Houston

Bild | "Irrungen & Wirrungen"
  1. summary
Ausgangsfrage war - Wie kann eine künstlerisch-therapeutische Einlage aussehen, in der man die TeilnehmerInnen (TN) eines medizinischen Symposiums - am Ende der Veranstaltung - noch einmal zum kreativen Mitgehen animieren will (während sie den Vormittag über sitzend den Vorträgen lauschten)?

Unsere Antwort: Mittels Sinnesaktivierung durch live-painting, verführerischem Klangteppich und der Rezitation eines blau-schwebenden Gedichtes – ebenso eines teilhabenden Momentes für die TeilnehmerInnen, ihre Gedanken/ Wahrnehmungen während des künstlerischen Prozesses auf Papier festzuhalten - um am Ende miteinander einen Titel für das entstandene Bild zu finden (Partizipation). 

  1. Zutaten
Hierbei waren und sind die besonderen Zutaten ganz wesentlich:
Man nehme...

Ensemble
  • eine motivierte Kollegin (GS), die sich hat anstiften lassen, bei künstlerischen Experimenten im beruflichen Rahmen aktiv mitzuwirken
  • Inspirierte Auftraggeber, die ihrem Klientel mal etwas „Frischen Wind“ bieten wollen
  • Mutige TeilnehmerInnen, die sich ebenso anstiften lassen, ihre Sinne zu aktivieren

    Bühne
  • eine möglichst viele Sinne ansprechende Idee mit Bühnencharakter - jedoch eher im Sinne einer freieren und spontan entstehenden art – Performance 
     
    Wahrnehmung der fünf Sinne + Aktiv-Moment
    visuell/ sehen: live-painting (GS), Bühnensetting, lebhaft-aktivierende Moderation
    auditiv/ hören: eigens gewebter Klangteppich (LA) & Gedicht-Rezitation (GG), Mal-Geräusche
    kinestätisch/ fühlen-spüren: die sinnliche Atmosphäre, die Mitschrift, das Mitwirken
    gustatorisch/ schmecken: Geschmacksassoziationen, die durch das Setting durch die Erinnerungen angeregt werden
    olfaktorisch/ riechen: der besondere Geruch, der beim live-painting (Acryl-Farben/ Sprühfarbe etc.) entsteht, inneres Riechen (aufgrund von z.B. Erinnerung an Urlaub, Kindheit...)
    partizipativ/ aktiv werden & teilhabend: Anregung der TN, ihre Gedanken wahrzunehmen und aufzuschreiben
 
  1. Der besondere Prozess
Exposition oder zur Vorgeschichte dieser art-Performance
Ein engagierter Oberarzt sucht für die Eröffnungsveranstaltung des Neubaus der vergrößerten Hämatologie/ Onkologie & Palliativstation ein geeignetes Bühnenprogramm. Offenheit und Mut werden gezeigt – man läßt sich gerne auch auf Neues und Ungewöhnliches ein. Eine gute Ausgangslage. Die Vorarbeit mit dem engagierten Kollegenteam im Klinikum geschieht reibungslos.

Inszenierung/ Requisit & Dokumentation 
Schnell muss alles auf der Bühne aufgebaut werden. Dann huschen wir (meine Kollegin & ich) auf die Bühne, nachdem wir vorher vor dem Publikum angekündigt wurden. Motivierte AssistentInnen lassen ein Blitzlichtgewitter von Kameras aufleuchten, eine Videokamera hält die Szenerie fest – los geht’s...

Prolog
GS leitete nun unsere art-Performance geschickt und charmant ein, und verwies auf unsere Vorgängerveranstaltung für die Patientinnen des Brustzentrums (siehe Link/ oben), mit dem Vermerk, bei uns gehe es nun darum, dass der Mensch/ Patient/ Mitarbeiter auch und gerade mal etwas für sich tun könne/ dürfe. Ich übernahm, und griff' GSs Wort Anstiften auf, um das teilnehmende Moment anzukündigen. Die TN sind herzlich gern aufgerufen, sich aktiv durch eigenes Assoziieren und Aufschreiben am künstlerischen Prozess zu beteiligen. Alles, was in den Sinn kommt, ist gut und sollte nicht zensiert werden. Worte für innere Prozesse kommen durch Übung immer leichter von den Lippen auf's Papier.  

Fürchte nicht das Chaos, denn im Chaos wird das Neue geboren.“
C.G. Jung 

 

Komödie oder/ und Drama ? - Für jede(n) wird es anders sein 
– das gilt es wahr-zu-nehmen, je nach persönlicher Vorerfahrung

Wir machten uns nun bereit – legten die Mikrophone weg, und fingen still und ritualisch an, unsere Kittel anzuziehen, Farben auf die Paletten aufzutragen und behutsam in unsere jeweiligen Positionen zu gehen. GS an der Leinwand, ich am Notenständer. Ich gab dem IT-Administrator ein Zeichen, dann startete der Aurische Klangteppich – langsam erfolgte der Titel des Gedichtes...GS reagierte auf die Klänge – erste Zeile und Pause – wieder Reaktion...(actio & reactio im Wechsel) sie wählte intuitiv Farben und Formen – so verlief es bis zum letzten Satz des GedichtesIch schwebe über lichte, ländergroße Blumenblätter.
Der Klang endete auf mein Zeichen hin abrupt (leider! Ich ging doch von mehr Feingefühl aus...), so dass wir alle schnell wieder „wach“ wurden – noch ein lieber Dank an GS und vice versa für Bild und Gedichtrezitation.

  1. Ergebnisse, Besonderheiten & Merkwürdiges
Deux ex machina oder auch Die Wendung zum Guten

Nun ging es daran, für das Bild einen geeigneten Titel zu finden. Ich versuchte, noch einmal die TN zu aktivieren – und tatsächlich kamen zahlreiche mutige Meldungen – das Mikrophon wurde herumgereicht, und unglaublich poetische Ideen und Assoziationen folgten. Spontan gewannen wir für die Titelfindung eine wunderbare Assistentin dazu: AS. Sie schrieb auf die kleine Tafel und repetierte vor Publikum, was sie vernahm.

Assoziationen und Gedanken der TN - Tafel-Mitschrift der Assistentin
mit demokratischer Abstimmung ...
  • Sag' mir, wo die Blumen sind? -Loslassen/ aber was hält mich?“ | 10x Stimmen
    Die TN erzählte, sie hätte viel geschrieben, doch die beiden Sätze in Folge bildeten ihre Quintessenz.
  • Klirrender Sternengarten“ | 9x Stimmen
  • Das Erwachen“ | 2x Stimmen
  • Wunderbares Ätherweben im sensiblen Chaos“ | 12x Stimmen
  • Irrungen & Wirrungen – das ist nichts für mich.“ | über 12x Stimmen – The Winner!
    Argument: Klang war so leise, meine Stimme kaum zu hören und das entstandene Bild schien viele Schleifen zu zeigen, die in diesem Moment für die TN nicht adäquat kodierbar waren.
Irrungen & Wirrungen“ bekam also die meisten Stimmen. 


Weitere Titel-Ideen - die mir im Nachhinein von TN zukommen ...
  • "Chravelle - Die Santa Maria von Columbus", "Die Blase"
  • "Fontäne im Sonnenuntergang" 
  • "frisches gefühlsrauschen"

Verkaufe deine Cleverness und kaufe Verwirrung
Jala Du-Din Rumi

Ich persönlich, so äußerte ich mich als Moderatorin, hätte Anderes (“Ätherweben“, auch „Erwachen“ oder "Klirrender Sternengarten" etc.) gewählt. Die TN äußerte dies (so vernahmen wir im Nachgespräch), dass sie den Klangteppich nicht laut genug hören konnte, ebenso dann das Spiel der Farben und Formen als beunruhigend erfuhr. Auf dieser Schiene gingen alle diejenigen gruppendynamisch mit, die ihre persönlichen Herausforderungen mit der Situation und dem Setting hatten; sei es aus Gründen des langen Sitzens und/ oder auch, weil einem die dargebrachte Szenerie an Eigenes erinnerte - bzw. weil man ein paar Minuten auf sich und die eigene innere Welt geworfen schien. Das ganze Setting wirkt auf unvorbereitete Menschen eventuell irritierend, und sie möchten sich aus solch' einer Situation herauswinden - ebenso auch, weil sie verunsichert sind, was genau und schnell anzufangen ist, mit solchen Weite erzeugenden Poesie-Welten; mitunter kann ein solches Setting als persönliche Bedrohung der eigenen klaren Struktur/ Norm-Ablauf empfunden werden.

Kunst-Welten
Die besondere Poesie-Welt, die in diesem künstlerischen Setting entsteht, gleicht einem in blau getränkten Schwebezustand im Leben, in dem man nur Halt empfindet, wenn man um ihn weiß und mit ihm einen Umgang gelernt hat (vgl. Gedicht von Hilde Domin „Nur eine Rose als Stütze“). Das Arp-Gedicht scheint einen von der Erde wegzutragen, hin zu den fernen und hellen Sternen, umgeben von unzähligen sphärischen Klängen. Der Aurische Klangteppich bewegt sich zwischen hellen Stimmen, einem märchenhaften Glockenspiel und zarten Klaviertönen; wiederholt sich in Endlosschleife – ohne auf dem tragenden Boden anzukommen. 
Die Farben, die wir speziell für unser Bild ausgesucht haben, bewegen sich in verschiedenen Blautönen (Ultramarin, Arktis etc.), einem Neonrot und einem Hautton (Sprühdose), einem Cremeweiß und einem klaren Gold – abgestimmt auf das Gedicht Arps.

Dennoch gab uns das Publikum noch genügend Raum, um unser Setting zu einem guten Ende zu bringen. Mit dem Dank des Chefarztes wurde die Veranstaltung dann beendet.
Ganz zum Schluss übergab GS der TN, von der der Titel stammte, ein Abklatschbild auf kleinerer Leinwand von unserem Bild „Irrungen & Wirrungen - etc.“. 

 
Nachwirkungen und Merkwürdiges

Um ein kreatives Leben zu führen, müssen wir unsere Angst verlieren, unrecht zu haben.“
Joseph Chilton Pearce

Nach der Performance kam ein TN (Hausarzt aus der Umgebung, wie ich später erfuhr) auf mich (GG) zu und ich dachte, er würde mir seine Ideen zur Szenerie mitsamt Erfahrungswelt mitteilen. So war und bin ich es zumindest schon gewohnt – was er mir benannte war, dass er sich Gedanken um die Form meiner Füße machte, und mir dringend ans Herz legte, mir abrollende Gesundheitsschuhe anzuschaffen. Ich fragte gezügelt und leicht keck, ob ich daran sterben könne, und er verneinte verlegen lächelnd. Während des Gesprächs kam er mir auffallend physisch näher (so auch der Eindruck meiner umstehenden KollegInnen), wie einst ein älterer Patient auf meiner Palliativstation, mit dem ich über einen längeren Zeitraum - Händchen haltend - über seine Vergangenheit und unsere gemeinsame Gegenwart im Jetzt redete. Ein tendenziell rührender Moment – mit nur einem seltsamen Thema – meinem rechten Fuß! Nun, jeder hat wohl seinen eigenen Ansatz, mit sinnenanregender Performance umzugehen...

  1. TeilnehmerStimmen & Assoziationswelten

Lerne zu sehen, und du wirst erkennen,
dass die neuen Welten deiner Vision grenzenlos sind.
Carlos Castaneda

Im Nachhinein bekam ich folgende Assoziationen zum entstandenen Bild von GS via Sms zugeschickt - ihre Tochter meinte: 
*Auf dem Bild sehe ich eine Fontäne im Sonnenuntergang.“ 
 
Wenig später erhielt ich folgende Sms, mit Worten zum Bild ihres Lebensgefährten:
* 1. Chravelle – z.B. die Santa Maria von Kolumbus. Eine neue Welt entdecken ohne zu wissen, wie die Konsequenzen sind. Neue Wege gehen... 2. Die Blase – aus dem Chaos, dem Nichts, kommt immer etwas Neues. Ob es gut ist, weiß man nicht. Die Blase ist hell, d.h. Es könnte positiv sein. Vielleicht ist es auch nur eine Illusion.GS schreibt weiter:  "...das sind die Interpretationen von P heute. Er meint, wenn er es morgen betrachten würde, gäbe es andere Assoziationen."

* Gerade fand' ich folgenden anonymen Kommentar vor: "Das Erlebnis dieser kreativen performance war ein außergewöhnliches, bewegendes und erstaunliches zugleich. Ich stellte mir im Verlauf vor wie ich mich von meinen Lieblingselementen [Horizont Himmelszelt Sonne Strand und vor allem Meer] inspirieren lasse, wie wohl ich mich in Verbindung hiermit fühle, die Sinne ausgerichtet auf Geräusche und Farben, die diese Assoziationen hervorgerufen haben. Ich habe mir nun einen Titel für meine Assoziation überlegt: *frisches gefühlsrauschen*
DANKE, liebe GG"

... 

Im wiederholten Anblick steigert sich ein Kunstwerk.“
Walter Benjamin

Kunst wirkt! In unserem Fall mit Bild & Gedicht & Klang wirkt es gar freiheitsstiftend und Möglichkeiten eröffnend etc. Sie weiß einen jeden Tag auf's Neue zu verzaubern, zu verblüffen, auch zu irritieren, weil sich unser Blick jeden Tag ein bisschen anders gestaltet - durch unseren jeweiligen Erfahrungshintergrund. Wenn wir es schaffen, uns jeden Tag immer wieder neu auf etwas (sei es Kunst, Natur; Mensch etc.) einzulassen, überhaupt uns ganzheitlich unserer Welt und Umgebung hinzugeben (spürend/ sinnlich), erfahren wir immer wieder Neues und Unerwartetes. Mit der Kunst kann man das gut üben! Ein schier unendliches und phantastisches Übungsfeld für Weltsichten, Möglichkeiten und Perspektivenwechse! 

Ich & auch Wir danken ALLEN TN & Beteiligten für ihren Mut und ihre Freude, sich auf neue Projekte einzulassen! 

HerzGruß von Gunilla Göttlicher (GG)

 
  1. Gedicht „Die Locken der Erde zerfallen“ | von Hans Arp
    gefunden im Gedichtband | Blau, die himmlische Farbe: Texte und Bilder (Insel Bücherei) von Gisela Linder

    siehe auch mondblume-Album "Anspannung | Entspannung"
     http://mondblume.bandcamp.com/album/anspannung-entspannung



  1. Impressionen 




















    Setting von Bild "Irrungen & Wirrungen - das ist nichts für mich"

Thanks web for fish-pic, special thanks for pics go to AS & LA & GS!

Sonntag, 9. Juni 2013

BuchTIPP | Gefühle - Eine Gebrauchsanweisung von Amana Virani


KUNST training | coaching | therapie SPIEL 




 BuchTIPP
Amana Virani - Gefühle - Eine Gebrauchsanweisung, edition est, München, 2007 




Meine besondere Empfehlung für alle die, die wissen wollen, was GEFÜHLE 
eigentlich sind und auch nicht sind...

+ leicht zu lesen & anzunehmen & umzusetzen

+ Hilfreiche Übungen - zum mehr-Begreifen! 
+ Gut strukturiert und aufgegliedert
+  einfach hilfreich und sinnvoll: Weshalb haben wir das nicht schon in der Schule gelernt?

+

Für mich spannend und fast revolutionär - 

Die fünf Hauptgruppen von Empfindungen im Überblick:

1. Körperliche Empfindungen: Fünf Sinne (Riechen, Schmecken, Sehen, Tasten, Hören etc.)

2. Biologische Programmierungen: Haben Ursprung in unserer Tiernatur - Aufgabe: Unser Überleben zu sichern (Hunger, sexuelle Erregung, Neid, Muttergefühle, Verliebt sein etc.)

3. Reine Gefühle - die Urkräfte in unserem System - sie brauchen wir, um als Individuen mit der Welt und unseren Mitmenschen in Beziehung zu treten (Wut, Angst, Trauer, Freude, Scham) 

4. Emotionen - sog. emotionaler Schmerz = große Mengen angestauter Gefühle (angestaute, unerlöste Gefühle)

5. Fähigkeiten oder Zustände: Wir können diese Fähigkeiten entwickeln, wenn wir uns dazu entschließen (Liebe, Mitgefühl, Hingabe etc.)


+

Klappentext

Eine Gebrauchsanweisung für Gefühle? Gefühle bestimmen unser Leben, ob wir wollen oder nicht. Wir investieren viel Zeit und Geld, um bestimmte Gefühle zu vermeiden und andere möglichst oft zu erfahren. Was Gefühle jedoch sind und wozu wir sie überhaupt haben, ist uns meist nicht bewusst.
Das kann sich jetzt ändern. In einfachen, klaren Worten führt diese Gebrauchsanweisung durch unsere Gefühlswelt. Wut, Angst, Freude, Trauer oder Scham – jedes Gefühl erfüllt eine wichtige Funktion in unserem Leben. Jedes Gefühl ist eine Kraft, die gezielt eingesetzt werden möchte, wenn sie gebraucht wird.
Schritt für Schritt zeigt dieses Buch nicht nur, was Gefühle sind, sondern auch, wie wir sie bewusst erzeugen und einsetzen können. Damit Gefühle nicht mehr irrationale Empfindungswallungen sind, denen wir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, sondern positive Kräfte mit denen wir unser Leben gestalten können. 

[wikipedia]


 +

Inhaltsübersicht

Einleitung
  • Teil I: Die fünf Kräfte: Vier Gefühle und ein fünftes. Was ist eine Urkraft?
    • Wie ensteht ein Gefühl?: Gefühle werden erzeugt. Der Zusammenhang von Gedanke und Gefühl. Der emotionale Getränkeautomat.
    • Wut ist eine Kraft: "Das ist falsch!" Wut aus gesellschatlicher Perspektive. Gute Kraft, schlechte Kraft? Wenn Wutkraft fehlt. Wenn wir zuviel Wut erzeugen.
    • Die Kraft der Trauer: "Ach, ist das schade!" Trauer aus gesellschaftlicher Persepektive. Gut Kraft, schlechte Kraft? Wenn Traurerkraft fehlt. Wenn wir zuviel Trauer erzeugen.
    • Angstkraft: Die Naturkraft. Angst aus gesellschaftlicher Perspektive. Das verkannte Wesen der Angst. "Oh Gott, wie furchtbar!" Angst als Kraft. Gute Kraft, schöechte Kraft? Wenn Angstkraft fehlt. Wenn wir zuviel Angstkraft erzeugen. Jenseits der Angst.
    • Freude als Kraft: Freude aus gesellschaftlicher Perspektive. "Ist das schön!" Gute Kraft, schlechte Kraft? Freudlos, kraftlos. Wenn wir zuviel Freude erzeugen. Die Möglichkeit bedingungsloser Freude.
    • Scham. die Kraft der Demut: Die Naturkraft. "Ich bin einfach falsch." Gute Kraft, schlechte Kraft? Wenn wir schamlos sind. Wenn wir vor Scham vergehen.
    • Was ist ein negatives Gefühl?: Sind negative Gefühle schädlich?
  • Wie wir emotianal krank werden: Ursachen emotionaler Unausgeglichenheit im Überblick.
    • Betäubte Gefühle: Wenn wir nicht mehr fühlen können. Die Geschichte von Steven D. Green. Ein Einzelfall?
    • Wenn Gefühle zu Emotionen angestaut werden
    • Wenn Gefühle nicht erzeugt werden: Die Lücke im System.
    • Einfach ausrücken statt wegdrücken: Mental-emotionale Rückkopplungsmechanismen.
    • Zweckentfremdete Gefühle: Statt Wut. Statt Trauer. Statt Angst. Statt Freude. Statt Scham.
    • Absolutheitsansprüche - wie wir emotionales Leid erzeugen: Die Geschichte mit dem Nachbarn. Was eine gute Geschichte ausmacht. Das Leben ist keine Geschichte. Die Unterscheidung von Schmerz und Leid.
  • Gelebte Gefühle
    • Was ist Fühlen: Gefühle sind keine Reize. Beobachten ist nicht Fühlen.
    • Fühlen kann man lernen: Wie kann man fühlen üben? Gezielt wahrnehmen. Immer mit Gefühl.
    • Wenn der Körper leidet: Die Emotion hinter dem Schmerz fühlen.
    • Emotionen schmelzen lassen: Sich Zeit nehmen. Vorsicht Vermeidungsstrategien. Fühlen, entspannen, atmen. Emotionaler Schmerz. Alte Post.
    • Das Gefühl: Das Gefühl identifizieren.
    • Die Interpretation prüfen: Wie präzise ist die Interpretation? Die Situation einschätzen. Freiheit wahrnehmen, Verantwortung übernehmen.
    • Das Gefühl als Kraft einsetzen: Die Kraft kennenlernen. Die Kraft zulassen.
    • Der Weg ist das Ziel.
  • Anhang: Nicht alles, was du fühlst, ist ein Gefühl
    • Biologische Programmierungen: Wie wird eine biologische Programmierung gelöst? Eine lange Geschichte. Eine alte Strategie. Ein neuer Umgang. Behutsam mit dem Reiz umgehen. In sich tragen bedeutet fühlen.
    • Fähigkeiten und Zustände: Zum Beispiel Liebe. Liebe ist eine Entscheidung.
Emotionale Checkliste
Glossar
Index der Übungen
Danksagung
Quellenverzeichnis 

[wikipedia]


+

Über die Autorin

Amana Virani ist Autorin und spirituelle Lehrerin. Seit ihrem zweiundzwanzigsten Lebensjahr ist sie international tätig und stellt ihr Wissen in Seminaren, Ausbildungen, Artikeln und Einzelsitzungen zur Verfügung. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Amana Virani auf drei Kontinenten in sehr unterschiedliche Kulturen. Dies schärfte ihre Wahrnehmung für grundmenschliche Themen, die uns unabhängig von Alter, Kultur, sozialer Stellung und Herkunft bewegen. Eines dieser Themen ist der Umgang mit unseren Gefühlen. Als Mutter zweier Kinder betrachtet sie die Umsetzbarkeit im Alltag als wichtigsten Prüfstein spiritueller Lehren.[wikipedia]




thanks web for pics


Samstag, 6. April 2013

Palliative Care - Teil 5 | Team & die Kunsttherapie


KUNST training | coaching | therapie SPIEL 




Palliative Care - Teil 5 | Team & die Kunsttherapie


Ein Team wächst zusammen...


Man nehme:
+ ein engagiertes Team
+ kreative Ideen, gemeinsam den Nachmittag/ Abend zu gestalten 
+ Ein Programmpunkt: Künstlerisches Setting mit Moderation (G.G.) 


Materialien: 
Fingermalfarben, Leinwände, Ölmalkreiden, Wachsdecke, Plastikkittel, Plastikhandschuhe etc. 


 


...die Finger leicht in die Farbe gleiten lassen...herausnehmen und auf die Leinwand...schon ist etwas da...entsteht etwas...eine neue Farbe und ... drauf...was entsteht??
Von allen Seiten betrachtet - und alle zusammen...schon kommen Assoziationen, Worte - ein Titel ensteht...nicht zu lange warten (sonst werten wir wieder ab...)...Name und Datum und Titel schnell auf die Rückseite geschrieben...



Titelbeispiele:
*Das RegenbogenFeld*
*Verschwommen Leidenschaft*


FREUDE! 
Alle haben ein WERK...ALLE machen mit...! 
ALLE ZUSAMMEN! 
Einfach TEAM! 


Impressionen 
[mit freundlicher Genehmigung der Photographin Anna Ammeer - DANKE!]



















Dank für die Photos an Anna Ammeer!

Palliative Care - Teil 4 | Kunsttherapie - Doku einer Famulantin


KUNST training | coaching | therapie SPIEL 



Palliative Care - Teil 4 | Kunsttherapie - Doku einer Famulantin

Ich hatte das große Glück, für vier Wochen eine wunderbare Assistentin auf unserer Palliativstation gehabt zu haben - eine Studentin der Humanmedizin (Famulatur). 

Sie begleitete mich in zahlreichen kunsttherapeutischen Settings und war mir und den PatientInnen eine wertvolle Begleitung und Unterstützung.  

Ich bat sie, ein ganz besonderes Setting und den einzigartigen Prozess mit einer sehr inspirierenden Patientin in ihren Worten zu beschreiben. 





Die Patientin äußerte die Idee, mit eigens im Klinikumsumfeld gesammelten Naturmaterialien arbeiten zu wollen. Mir fiel dazu gleich die Künstlerin Rebecca Horn ein, die in ihren "bodylandscapes/ Körperlandschaften" lebensgroß auf Papier mit einem dickflüssigen Rotwein malte. 

Als untermalenden Klang des Settings wählte ich die herrlich fließende Musik mit Sopran, Oberton- und Walgesang, die der Komponist Hayden Chisholm eigens für die Installationen von Rebecca Horn komponierte ("In the belly of the whale").  

Gewählte Materialien: Leinwand, Acrylfarbe, Tusche, Holzleim, Naturmaterialien, Wein/rot, Rote Beete-Saft etc. 

Als krönenden Abschluß dieses inspirierenden Settings gestaltete die Famulantin liebevoll ein Fach in der Glasvitrine auf Station. Dies konnte möglich werden, da die Patientin ihr Bild der Kunsttherapie-Sammlung der Station vermachte.   



+


F.G. | 7.3.2013
(Mit freundlicher Genehmigung der Nutzung des Textes von Autorin F.G.)  


Gunilla hatte mit Frau A. ein ganz besonderes Projekt geplant „Malen mit Wein & rote Beete“. [Wein = Shiraz – Lieblingswein von der Patientin, wie sich später herausstellte]. Frau A. freute sich sehr auf die Kunsttherapie und ich durfte sogar an der Kunsttherapie teilnehmen. Da saßen wir nun am kleinen Tisch im Patientenzimmer – Fr. A. und ich in bunten Schürzen, Gunilla farbenfroh gekleidet wie immer. 
 
Wir hörten Musik – ein wenig traurige Musik, aber doch eher ruhig und zur Kunst passend – eine Musik, bei der man sich eben voll und ganz Farben, Pinseln, dem noch weißen Papier [Leinwand Anm. G.G.] widmen konnte.
Fr. A. zeigte uns ihre gesammelten Dinge aus der Natur, die in die Malerei mit Wein und Rote Beete unbedingt mit einfließen sollten. Sie strahlte, als sie verwelkte und nur noch aus dem Gerüst bestehende Blätter aus der Tüte hervorzog. Die Blätter sahen so zerbrechlich aus und so … trist. Nacheinander legte sie einen Krokus, ein Schneckenhaus, Birkenstammteile und vieles mehr auf den Tisch und strahlte/ lächelte über ihre eigenen Entdeckungen + Sammlungen. Fr. A. hatte so großartige Augen – sie hatte so blaue Augen, dass man sich in ihnen verlieren konnte, wenn man wollte. 
 
So fingen wir langsam an zu malen. Fr. A. traute sich zuerst nicht, selbst ans Werk zu gehen und so begann Gunilla. Fr. A. unterstützte sie bei der Wahl der Naturutensilien und der Verlaufsrichtung des Weins, den wir mit einer Pipette auf die Leinwand brachten. Es entstand ein Bild, auf dem ein Pegasus zu erkennen war, gehalten und aufgefangen auf einem Blatt. Fr. A. war fasziniert von diesem Bild und freute sich sehr. Nebenbei gab es immer auch einen Schluck Wein, den sie sehr genoss und Gunilla und ich natürlich auch:) 
 
Nachdem wir drei Gunillas Bild eine ganze Weile betrachtet hatten und man sah, wie die Farbe des Weins sich veränderte, begann nun auch Fr. A. Sie legte ihre Naturutensilien (Birke, Stein) sehr konzentriert auf die Leinwand und legte es immer wieder an eine andere Stelle auf der Leinwand. Ihre ganzen Bewegungen waren sehr zaghaft – immer wieder sollten Gunilla und ich unsere Meinung dazu sagen. Nach ein paar Minuten hatte sie das Stück Birke und den Schieferstein platziert. Nun griff sie zur Roten Beete. Mit der Pipette tropfte sie ganz zaghaft und konzentriert ein paar Tropfen Rote Beete-Saft auf die Leinwand. Die rote Farbe war sehr kräftig – Fr. A. wischte es von der Leinwand, sie wollte es eher etwas blasser haben und nicht so intensiv. 

So entstand ein Bild, welches sehr eindrucksvoll war – dieses Bild stellte ihre Krankheit dar. Man konnte eine Bauchhauptschlagader erkennen, links und rechts von dieser die Nieren und links unten im Bild war ja dieses kleine Birkenstück, welches den Tumor in ihrem linken Bauchbereich darstellte [aus meiner Sicht]. Ich war fasziniert, aber auch geschockt, dass Fr. A. ihre eigene Krankheit auf eine Leinwand gebracht hatte – wissentlich oder unwissentlich – das vermag ich nicht zu sagen. Sie freute sich über ihr geschaffenes Kunstwerk, war aber auch gleichzeitig traurig über den ganzen Verlauf ihrer Krankheit und ihre aktuelle Lebenssituation – wie verständlich. Ich dachte – o.k., nachdem wir nun gemalt haben und unsere Werke bestaunt und interpretiert hatten, würden Gunilla und ich nun wohl weiterziehen zu einem anderen Patienten. So räumten wir also die Malutensilien zusammen, verteilten noch die letzten Tropfen des edlen Rotweins auf die drei Gläser und lauschten den letzten Klängen der Musik. 
 
Da fing Fr. A. auf einmal an von ihrer Familie zu erzählen: Dem Vater – ein Chirurg im 2. Weltkrieg, der nicht nur den deutschen Soldaten half, sondern in der Nacht auch zu den Russen ging (dies galt als Hochverrat), um medizinisch zu Hilfe zu eilen. Er ließ sich sogar von einer Krankenschwester russische Märchen erzählen.
Ihre Mutter war Psychiaterin – eine Frau, die viel Zeit für ihre Patienten opferte. Alles in allem sehr strebsame Persönlichkeiten, die jedoch wenig Zeit für ihre Tochter hatten. 
 
und dann neigte sich die Kunsttherapie dem Ende zu. 
Es war eine unglaublich tolle Erfahrung, die Patientin aus einer anderen, eher emotionalen Sichtweise zu sehen. Frau A. war so selbstbewusst, aber beim Malen dann doch so zaghaft und zurückhaltend. Ich bin mir sicher, sie konnte ganz viel aus diesem Treffen mitnehmen und hoffe, ihr geht es gut. 
Sie hat ein Buch geschrieben, eine Erzählung über die Reise dieser Patientin durch den Sudan. Als ich dies hörte, musste ich mir einfach dieses Buch bestellen – seither liegt es in meinem Rucksack und wird überall mit hin getragen, um ein paar Zeilen zu lesen, egal wo ich bin!!

+++ 

wie es weiterging...


Am 11.04.2013 besuchte uns die Patientin spontan und zu unserer aller Freude auf Station. Ich gab ihr den Text der Famulantin F.G. zu lesen, dann sagte sie mir, ich solle folgende Zeilen von ihr hier noch hinzufügen:



"Aber die Musik war doch gar nicht traurig, für mich war sie Geborgenheit, Ausatmen, Friede, Hingabe, ja, Hingabe..." [Fr. A.]

Weitere Korrespondenz...

"...das war ja eine überrraschung , Deine Post ! Und der gelungene Ausschnitt von meinem bild. Der Ausschnit gefällt mir viel viel besser!!!!!! ein bißchen so hatte ich es mir vorgestellt.---- es war schön Dich auf der Palli zu sehen und danke , dass Du Dir Zeit genommen hast.!!!!!!!!!!es hat mich ganzs schön berührt. Und Du hast mir ein neues Wort geschenckt, statt sterben auflösung. das hört sich viel besser an für mich hat einen anderen Sinn, wirkt nicht so ängstigend. ich habe wieder einen darmvershluss, deshalb werden diese worte nun sehr konkret. sei umarmt und DANKE"  [Fr. A./ Mail | 29.04.2013]

"...das ist ja toll, dass Du soviel über Auflösung gemacht, gemalt, gedacht hast.---- Ich behalte Deine mail gegen meine angst /oder für die angst. Auflösung ist wirklich schön !!!!!!! Ja ich hätte gern die CD mit der Musik, sie wird mich an die Stunde mt dir erinnern. Ich wünsche Dir auch Sonne und Mond und viele Röcke!!!! Die passen so gut zusammen. Sei umarmt" [Fr. A./ Mail | 02.05.2013]


Ich schickte ihr die CD...und fragte nochmal nach, ob sie sie erhalten hätte - das war am 02.05 und auch am 04.05. 2013 ... ich bin mir sicher, sie hat sie noch bekommen und gehört...

 - wie ich kürzlich erfahren habe, ist Fr. A. - meine liebe G. - am 21. Mai 2013 von dieser Welt gegangen und hat sich in die Auflösung begeben. Sie wird mir lebhaft und lebendig in Herz&Gedächtnis bleiben! 

Ihr Buch wird von mir bei jeder passenden Gelegenheit - und erst neulich wieder bei einer Patientin - gezückt und eine Passage daraus vorgelesen...

Link zu Rebecca Horns Werken, untermalt mit der Musik von Hayden Chisholm 
(Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, Berlin 2006/7, u.a. mit In the belly of the whale
Rebecca Horn & Hayden Chisholm


Impressionen 















*Mein besonderer Dank geht an die Patientin Fr. A. und an die Famulantin F.G. für ihr Dasein und Mitmachen, für die wertvolle Beschreibung eines einzigartigen Settings, Photos uvm.*

Photos: F.A. & me



Montag, 14. Januar 2013

BuchTIPP | Alice Miller - Das Drama des begabten Kindes


KUNST training | coaching | therapie SPIEL


BuchTIPP
Alice Miller - Das Drama des begabten Kindes
und die Suche nach dem wahren Selbst (edition suhrkamp 1979/ Neufassung 1994)





"Wenn ich alle die Gefühle und ihren qualvollen Widerstreit auf ein Grundgefühl zurückführen und mit einem einzigen Namen bezeichnen sollte, so wüßte ich kein anderes Wort als: Angst. Angst war es, Angst und Unsicherheit, was ich in allen jenen Stunden des gestörten Kinderglücks empfand: Angst vor Strafe, Angst vor dem eigenen Gewissen, Angst vor Regungen meiner Seele, die ich als verboten und verbrecherisch empfand"
 Hermann Hesse


WARNUNG!
"Wer sich nicht scheut, wachgerüttelt zu werden, wird an diesem Meilenstein nicht unbeteiligt 
vorbeigehen können."
Luzerner Neueste Nachrichten  


Mein persönlicher Fokus | Neid
Da mich das Thema Neid - Lebensneid - Konkurrenz schon lange beschäftigt, möchte ich hier das mir sehr wertvoll und wesentlich gewordene Buch "Das Drama des begabten Kindes" von Alice Miller vorstellen. Mir hat es bereits dabei geholfen, in der Tiefe das Phänomen des Selbstverlustes und des folgenden Neides besser begreifen zu können. Ebenso bin ich von der Wahrheit der Worte tief berührt, ob der Aufarbeitung meiner Geschichte und der meiner Mitmenschen. Ich werde dieses Buch sicher noch öfters lesen und empfehle es jeder/m, die/der den Mut hat, sich der eigenen wahren Geschichte und damit der eigenen Authentizität (dem wahren Selbst) stellen zu wollen...

 Die Rechte der Kinder
Um Neid geht es in diesem Buch nicht in erster Linie, doch es erklärt ihn auf eine besondere und verständliche Weise. Alice Miller setzte sich ihr Leben lang für die Rechte der Kinder ein, und beschrieb in zahlreichen Büchern, wieviel Leid Kindern von ihren Bezugspersonen zugefügt wurde, ohne dass diese adäquat zur Rechenschaft gezogen wurden und heute noch werden. 


 Alice Miller mit ihrer Kunst im Hintergrund

Vielmehr im Gegenteil wurde das Kind und sein Verhalten durch die v.a. Freudsche Psychoanalyse überstark sexualisiert, und die Eltern durch die Triebtheorien von ihrer Verantwortung dem Kind gegenüber nahezu freigesprochen. Ebenso prangert Alice Miller die weiterhin fortbestehende Idealisierung der Mutterliebe an, die scheinbar alle "Entmystifizierungstendenzen unserer Zeit" überdauert hat.


 Ursprünge des Selbstverlustes beim Kinde
Alice Miller beschreibt, inwieweit Kinder von ihren oftmals emotional sehr bedürftigen und unsicheren Müttern für ihre Zwecke unbewusst "mißbraucht" werden. Die bedürftigen Mütter, selbst ihrer bedürftigen Mutter entronnen und einst als Kind "verfügbar", sehen in ihrem Kind endlich ein Wesen, dass von ihnen vollständig abhängig ist und dass sie nach ihren Vorstellungen "formen" und "erziehen" können. So kann sie sich die langersehnte Rücksicht und v.a. Respekt verschaffen. Miller schreibt, dass die Mutter ihr Kind "narzißtisch besetzt". 
Sie wollen es evtl. besser machen, wie noch ihre Mütter und auch Großmütter vor ihnen, wollen ihr Bestes geben, was jedoch nur allzu häufig dann doch dem altbekannten Muster entspricht, welches sie in frühester Kindheit gelernt haben. Das Muster wird - wenn es unaufgearbeitet bestehen bleibt - einfach wiederholt. So kann es von Generation zu Generation weiter bestehen bleiben, ohne dass eine Veränderung der Situation eintreten kann.  Ebenso verhält es sich mit Erinnerungen an die früheste Zeit im eigenen Körper, welcher alle Erfahrungen der Vergangenheit in sich aufgenommen hat, welche sich später als Somatisierungen jeder Form und Härte zeigen können (siehe dazu Alice Miller: Die Revolte des Körpers, 2004; http://www.alice-miller.com/bucher_de.php?page=11)

 Dieses Buch betrifft jede/n
Dieses Thema betrifft wahrscheinlich mehr Menschen, als der leicht abschreckende Begriff der narzißtischen Persönlichkeit und Narzißmus im Allgemeinen vielleicht den Anschein hat. Im Kern mag es vielleicht sogar jeden treffen und berühren, denn was es in diesem Buch zu Lesen gibt, ist menschlich und handelt von Grundbedürfnissen und Gefühlen wie u.a. der großen Angst, nicht mehr geliebt zu werden, wenn wir nicht dem entsprechen, was von uns verlangt wird (Angst vor Liebesverlust). 


"Im Grunde war die nach außen so gut funktionierende Mutter beim eigenen Kind selbst ein Kind geblieben." (Miller, S. 66)



Das Kind wiederum - vollständig abhängig von der Mutter - richtet seine narzißtischen Bedürfnisse an sie, die jedoch nicht gehört und gesehen werden können, da die Mutter ausschließlich mit sich und ihren eigenen Bedürfnissen v.a. nach einer Spiegelung beschäftigt ist. Es erfährt von der Mutter daher keine Spiegelfunktion, um ein wirkliches Selbst entwickeln zu können. 

"Es selbst bleibt ohne Spiegel und wird in seinem ganzen späteren Leben vergeblich diesen Spiegel suchen" (Miller, S. 60)

  Sehr bald steckt es seine eigenen grundsätzlich narzißtisch-symbiotischen Bedürfnisse, v.a. aber die eigene lebendige Gefühlswelt zurück und entwickelt sie so nicht mehr weiter. Besonders emotional begabte Kinder sind die Leidtragenden in diesem Beziehungs-Drama. Es richtet sich nach der Mutter aus, wandelt sich so, wie es von der Mutter gerne gesehen wird. Es entwickelt eine, nach Miller, "Als-ob-Persönlichkeit", die nicht dem eigenen Selbst, aber einem "Ich" entspricht, das der Mutter gefällt und die Mutter "spiegelt" - nicht aber das Kind in seinem besonderen So-Sein. Ein konstruiertes Ich entsteht, ausgerichtet an dem, was es als liebenswert erkennen kann.

 Depression versus Grandiosität
Das führt beim Älter-Werden dazu, dass das Subjekt die eigene gefühlvolle Seelenwelt und damit seine Lebendigkeit nicht leben kann. Da es "begabt" d.h. sensibel und einfühlsam ist, hat es über die Zeit seine v.a. kongitiven Fähigkeiten aber auch andere vielfältige Talente, sich gesellschaftlich in ein gutes Licht zu stellen, hervorragend entwickelt, so dass es gut an das Leben angepasst sein kann. Leider ist es aber so, dass durch die Nicht-Entwicklung des Selbst auf der einen Seite eine große Leere empfunden wird, die sich in Depression zeigen kann und auf der anderen Seite eine Art illusionäre Grandiosität durch die eigenen vorzeigbaren Talente entwickelt wird, die es über alle dunkleren Momente des Lebens mit besonderer Brillianz "erhebt". Der "Absturz" nach den grandiosen Phasen ist umso tragischer, da sich schnell wieder die abgewehrte Leere zeigen kann. Ein circulus vitiosus entsteht.

"Gehört nicht die Mutterliebe zu den 'geringsten' aber auch unentbehrlichsten Dingen im Leben, die viele Menschen - paradoxerweise - mit dem Verzicht auf ihre Lebendigkeit bezahlen müssen?" (Miller, S. 53)

Die unbewusste Re-Inszenierung des eigenen Selbstverlustes
Das frühe Drama des Selbstverlustes des nunmehr erwachsenen Kindes wird in seinem Leben in den verschiedensten Situationen unbewusst "re-inszeniert", so dass es immer wieder Versagungen und mißliche Lagen erfährt, die oftmals viel Leid auslösen, aber ohne Aufarbeitung der eigenen Geschichte sich nicht auflösen lassen und ein Leben lang fortbestehen können.   

"Im ganzen späteren Leben dieses Menschen werden von ihm unbewusst Situationen inszeniert, in denen diese damals nur im Ansatz vorhandenen Gefühle aufleben können, aber ohne dass der ursprüngliche Zusammenhang verständlich wird." (Miller, S. 26) 

Über Neid...
Neid ist ein wesentliches Symptom von mehreren Symptomen, die bei narzißtisch geprägten Persönlichkeiten oftmals und verstärkt auftreten. Es erklärt sich aus der schnell empfundenen Leere der Selbstlosigkeit, wenn das Subjekt mit jemandem konfrontiert wird, der sich etwas Lebendiges/ Authentisches bewahrt oder sich im Laufe seines Lebens erarbeitet hat. 


Alice Miller | Kunst


Dazu Alice Miller, S. 78 f.:  

Grandiosität versus Depression = inneres Gefängnis
Der Grandiose: empfindet sich als das gelungene Kind der Mutter (der Held-Typ)
Der Depressive: empfindet sich als das mißlungene Kinder Mutter (der Versager-Typ)

Gemeinsamkeiten:

1. ein falsches Selbst (Winnicott)/ Als-ob-Persönlichkeit (Miller) - hat zum "Verlust" des   
 möglichen Selbst geführt
2. Brüchigkeit der Selbstachtung (keine Sicherheit über das eigene Fühlen/ Wollen)
3. hohes "Ich-Ideal", daraus folgend übermäßiger Perfektionismus
4. Verleugnung der verachteten Gefühle (der fehlende Schatten im Spiegelbild)
5. Überwiegen von narzißtischen Objektbesetzungen
6. große Angst vor Liebesverlust/ große Anpassungsbereitschaft
7. Neid (auf die Gesunden)
8. starke (abgespaltene), nicht neutralisierte Aggressionen
9. Anfälligkeit für Kränkungen
10. Anfälligkeit für Scham- und Schuldgefühle
11. Ruhelosigkeit

Was eine Aufarbeitung der eigenen wahren Kindheitsgeschichte bewirken kann...
Die Befreiung von der Depression und damit von dem eigenen Selbstverlust bewirkt, nach Miller, nicht eine fortwährende Fröhlichkeit oder eine andauernde Abwesenheit von Leiden, sondern vielmehr die Möglichkeit, spontan auftretende Gefühle authentisch und lebendig leben und integrieren zu können. Sie offenbaren, nach Miller, die ganze Skala des Menschlichen, und schließen auch Gefühle/ Affekte wie Neid, Eifersucht, Wut, Empörung, Habgier, Verzweiflung und Trauer mit ein.  

"Die Fähigkeit zu trauern, d.h. auf die Illusion über die eigene 'glückliche' Kindheit zu verzichten, gibt dem Depressiven seine Lebendigkeit und Kreativität wieder und kann den Grandiosen [...] von den Anstrengungen und der Abhängigkeit seiner Sisyphos-Arbeit befreien" (Miller, S. 94). 

Die unbewussten unaufgearbeiteten Inhalte bleiben unverändert und damit zeitlos bestehen - der Schlüssel zur Veränderung liegt im Bewusstwerden der eigenen Wahrheit... 

"Das Paradies der präambivalenten Harmonie, auf das so viele Patienten hoffen, läßt sich nie erreichen. Aber das Erleben der eigenen Wahrheit und das postambivalente Wissen um sie, ermöglicht, auf einer erwachsenen Stufe, die Rückkehr zur eigenen Gefühlswelt - ohne Paradies, aber mit der Fähigkeit, zu trauern." (Miller, S. 32) 

Alice Miller | Kunst


Über Alice Miller | Klappentext Buch
A.M. studierte in Basel Philosophie, Psychologie und Soziologie. 20 Jahre lang arbeitete sie als Psychoanalytikerin, bevor sie sich 1980 entschloß, ihre Praxis und Lehrtätigkeit aufzugeben, um über die Ergebnisse ihrer Kindheitsforschungen zu schreiben. Sie starb am 14. April 2010 im Alter von 87 Jahren. 


Weiterführender Link:  | Alice Miller website
 http://www.alice-miller.com/index_de.php


Begriffe im Buch: 
+++ Selbstverlust + Selbstfindung + Depression + Grandiosität + gesunder Narzißmus + die narzißtische Störung + Analyse + Abwehrmechanismen + Neid + narzißtische Besetzung + Anpassung des Säuglings + Reinszenierungen + Verfügbarkeit des Kindes + falsches Selbst (Winnicott) + Als-ob-Persönlichkeit (Miller) + partielle Tötung von Möglichkeiten/ Lebendigkeit + Permanenz der Bindung + trial & error + Angst vor Liebesentzug + wahres Selbst + Übertragung + Verwahrlosung + Annahme der eigenen Wahrheit + Trauer über das Vermißte + Ichideal + Narzissos + Depression und psychosomatische Leiden + Freiheit/ Lebendigkeit + introjizierte unbewusste Verachtung + ödipale Gefühle + Demütigung + narzißtische Wunde + Wiederholungszwang + Zwangsneurose + Perversion + Regression + Das Verdorbene/ das Böse/ Grausamkeit + Hörigkeit + Kreativität + Trauerarbeit + Vergeltungswünsche etc.pp +++ 
 



pics: thanks web! 

+++ Von Fischen +++ by Gunilla Göttlicher

Fische schwimmen im Wasser hin und her wenn ein Angelhaken kommt denken sie ersteinmal über dessen tieferen Sinn nach Erinnerung an Finnland, 2009